Wirtschaft im Abschwung – Weiterbildung im Aufschwung

Erwachsenenbildung in Krisenzeiten

Die Erwachsenenbildung boomt in Zeiten der Wirtschaftskrise.
Vor allem berufliche Weiterbildung und Bibliotheken sind merkbar im Trend. Persönliche Weiterbildung ist auf hohem Niveau gleichbleibend.

 

„Die Menschen schauen auf Ihre Zukunft und nutzen den Wirtschaftsabschwung zur Weiterbildung - einerseits gezwungen durch die schwierige Situation der Betriebe, andererseits durch die positiven Rahmenbedingungen des Landes Oberösterreich und des Arbeitsmarktservice“, so EB-Forum Vorsitzender Dr. Christoph Jungwirth. Berufliche Weiterbildung erlebt seit Monaten in Oberösterreich einen Boom. So können heimische Erwachsenenbildungseinrichtungen wie bfi und Wifi im ersten Quartal 2009 eine Steigerung der Buchungen (gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres) von bis zu 15 Prozent vermelden. Das ergibt eine Umfrage unter den Mitgliedern des EB-Forums.
Weiter ungebrochen hoch ist die Nachfrage bei den persönlichkeitsbildenen Angeboten. Und die Bibliotheken sprechen von großem Zulauf in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Bildungskarenz plus pusht berufliche Weiterbildung
„Starke Steigerung gibt es vor allem im Bereich der gewerblich-technischen Weiterbildung und EDV. Fremdsprachen, Persönlichkeit und betriebswirtschaftliche Kurse sind dagegen rückläufig. Von der Krise weniger betroffene Branchen wie Bau, Baunebengewerbe oder Handel kürzen ihre Budgets für Weiterbildung nicht. Viele betroffene Betriebe nutzen die geschaffenen Rahmenbedingungen“, spricht Mag. Walter Sonnberger vom Wifi Oberösterreich das Modell der Bildungskarenz plus an. Bis Ende 2010 läuft das Förderprogramm von Land und AMS. Von November bis Mai 2009 haben diese Weiterbildungsmaßnahme mehr als 1000 Beschäftigte in Oberösterreich genutzt, mit steigender Tendenz. Die Volkshochschule OÖ unterstreicht diese Entwicklung. Demnach sind die berufsbildenden Weiterbildungsmaßnahmen bei der VHS stärker nachgefragt, Förderungen wie Bildungskarenz plus werden noch mehr angenommen als bisher. Beim bfi Oberösterreich zeigt sich eine klare Entwicklung zu längeren Ausbildungen. „Stärker nachgefragt sind in der beruflichen Aus- und Weiterbildung Angebote, die während des Tages unter der Woche angehalten werden und über einen längeren Zeitraum gehen. Genau diese Angebote fallen in die Fördermöglichkeit von Bildungskarenz plus und werden daher gerne von Unternehmen beziehungsweise ihren MitarbeiterInnen in Anspruch genommen“, so EB-Forum Vorsitzender und bfi-Geschäftsführer Christoph Jungwirth.

Persönliche Weiterbildung gleichbleibend hoch
Wenn auch viele Erwachsene Oberösterreichs in der aktuellen Wirtschaftslage den Sparstift ansetzen, so ist die Nachfrage bei den persönlichen Weiterbildungseinrichtungen ungebrochen hoch. „Folgen der Wirtschaftskrise sind bei uns in Puchberg nicht bemerkbar. Die Wartelisten haben sich zwar etwas verkürzt, aber das ist zum Sommer hin eher üblich“, so Dr. Wilhelm Achleitner vom Bildungshaus Schloss Puchberg und sagt zur künftigen Entwicklung der persönlichen Weiterbildung: „Angesichts der Wirtschaftskrise werden sich die Menschen vermehrt persönliche Lebensfragen stellen und vielleicht stärker persönlichkeitsbildenden Seminaren zuwenden – das kann als lebens- und menschenfreundliche Chance der wirtschaftlichen Krise verstanden werden“.

Günstige Variante Bibliothek mit hoher Frequenz
Regen Zulauf erhalten derzeit auch die Bibliotheken Oberösterreichs. Viele Bildungsinteressierte nutzen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt die günstige und frei zugängliche Form der Weiterbildung durch unsere Bibliotheken. „Es könnte künftig sogar einen Trend hin zur den Bibliotheken geben, um aus Sparsamkeit mehr zu leihen und weniger zu kaufen, oder von kostenintensiveren Freizeitangeboten zu einem günstigeren zu wechseln“, sieht Christian Dandl von der Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz die mögliche Zukunft der Bildungseinrichtung Bibliothek.